Die EU will das Zahlungsziel für gewerbliche und öffentliche Auftraggeber künftig auf höchstens 60 Tage begrenzen. Die hiesigen Unternehmern räumen ihren Kunden jedoch bisher sehr viel kürzere Zahlungsziele ein. Sie fürchten um die Zahlungsmoral ihrer Kunden: Beschließt das Europaparlament die entsprechende EU-Richtlinie, lade das gewerbliche und öffentliche Auftraggeber dazu ein, sich grundsätzlich 60 Tage einräumen zu lassen.
So lautet das Ergebnis einer Umfrage des Kreditversicherers Atradius unter fast 4.000 Unternehmen in 22 Ländern. Knapp ein Drittel der deutschen Unternehmen erwartet, dass ihre Kunden demnächst unter Berufung auf die EU-Richtlinie versuchen werden, spätere Zahlungen durchzusetzen.
Zahlungsmoralbarometer: Unternehmen erhalten ihr Geld immer später
Laut aktuellem Atradius Zahlungsmoralbarometer wollen deutsche Unternehmen nach durchschnittlich 19 Tagen bezahlt werden und erhalten nach rund 24 Tagen ihr Geld. Damit zahlen die inländischen Unternehmen im Durchschnitt zwei Tage später als noch im Frühjahr 2010. Ein Drittel der Befragten wurde um eine Ausdehnung des Zahlungsziels gebeten, jedes fünfte Unternehmen bat den Geschäftspartner um eine höhere Kreditlinie.
Kreditversicherer: EU-Zahlungsziel erfordert gutes Forderungsmanagement
"Die EU-Richtlinie, die eigentlich vor allem kleine und mittelständische Unternehmen vor säumigen Zahlern schützen soll, könnte einen gegenteiligen Effekt haben und für eine Verschlechterung der Zahlungsmoral in Deutschland sorgen", sagt Atradius Deutschland Chef Thomas Langen.
Vorteile könnten dabei nur die Unternehmen erzielen, die ihr Forderungsmanagement im Griff haben. "Diese Unternehmen können längere Zahlungsziele dann auch als Verkaufsargument nutzen", so Langen weiter.
Foto: © Foto: Dan Race/FOTOLIA

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